Die Hallische Händel-Ausgabe (HHA) ist eine Kritische Gesamtausgabe der Werke Georg Friedrich
Händels auf der Grundlage aller bekannten Quellen. Sie soll sowohl der Forschung als auch der
Praxis dienen. Innerhalb der Bände sind die Werke und deren Fassungen nach Möglichkeit
chronologisch geordnet. Dem Editorial Board gehören renommierte Händel-Forscher aus Deutschland,
Großbritannien und den USA an. Jeder Band enthält ein Vorwort, in dem über Entstehungsgeschichte
und Überlieferung des Werkes berichtet wird und aufführungspraktische Fragen erörtert werden. Die
Ausgaben von Vokalwerken enthalten eine wörtliche deutsche und, wenn nötig, eine englische
Übersetzung des Gesangstextes. Seit 1991 enthalten die Bände der Serien I und II jeweils ein
Faksimile des für die ersten Aufführungen gedruckten Librettos. Grundsätzlich werden Händels
Intentionen so genau wie möglich in moderner Notenschrift wiedergegeben. Hinzufügungen zu Händels
Wort- und Notentext sind gekennzeichnet.
Schon vor der Hallischen Händel-Ausgabe gab es Ausgaben der Werke Händels, beispielsweise die
der Händel-Zeitgenossen John Walsh und John Cluer, von Samuel Arnold (1787–1797) und Johann O. H.
Schaum (1822–1825), diejenige der English Handel Society (1843–1858), die „Ausgabe der Deutschen
Händel-Gesellschaft“ von Friedrich Chrysander (1858–1894), und die Ausgaben des Verlags Novello
(1846ff.). Alle diese Ausgaben sind unvollständig.
Am wichtigsten und bekanntesten ist Chrysanders Ausgabe, mit 94 veröffentlichten Bänden die
größte nach der HHA. Unvollständig ist sie, weil noch nach ihrem Abschluss zahlreiche Kompositionen
Händels entdeckt wurden. Da Chrysander nicht alle erhaltenen Quellen kannte, konnte er manche Werke
nur unvollständig edieren und bei komplizierter Quellenlage und schwierig zu deutenden Quellen auch
kein befriedigendes Endergebnis erzielen. Des weiteren haben sich die Ansprüche an eine
wissenschaftliche Gesamtausgabe geändert. So ist es für die HHA üblich, alle Fassungen der Werke
Händels darzustellen, während Chrysander in der Regel nur eine bot, von der er annahm, dass sie
Händels Intention am nächsten kam. Auch andere heutige Standards galten für Chrysander noch nicht:
Seine Vorworte sind meist sehr kurz, Kritische Berichte verfasste er nicht.
Die Idee zu einer neuen Händel-Ausgabe kam von Karl Vötterle, Bärenreiter-Verlag Kassel.
Zunächst sollten ausgewählte Werke Händels in einer deutsch-englischen Gemeinschaftsausgabe
veröffentlicht werden. Der Vertrag zwischen dem Verlag und der Stadt Halle über das Projekt wurde
im Jahre 1943 unterzeichnet. Bereits zwei Jahre später erschien der Klavierauszug von Deidamia.
1948 wurde die Hallische Händel-Gesellschaft mit dem vornehmlichen Ziel gegründet, Händels
Werk zu pflegen und in einer neuen, umfassenden und Kritischen Gesamtausgabe der Musikwelt
zugänglich zu machen. Der erste Band der nun als „Hallische Händel-Ausgabe“ bezeichneten Edition
wurde 1955 veröffentlicht. Ursprünglich war sie als praktische Ausgabe geplant, die auf der
Chrysander-Ausgabe basieren sollte. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jh. entwickelten sich neue
philologische und redaktionelle Standards, welche zu einer völlig neuen, von Chrysander
unabhängigen Erarbeitung der einzelnen Werke führte.
Die HHA ist ein Drittmittelprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wird
finanziert durch die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.


